Prof.Dr.Jean-Pol Martin
Didaktik der französischen Sprache und Literatur
Universität, UA.Zi.240
85071 Eichstätt

Eichstätt, den 17. März 2002
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16.Jg.Kontaktbrief Nr.101  

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde,

Im Anschluss an meinem jüngsten Kontaktbrief (Nr.100) bekam ich von einigen von Ihnen trostspendende Post. LdL sei doch viel bekannter als ich meine... Eigentlich ging es bei mir in erster Linie darum, meinen Ärger gegenüber Pädagogen und Didaktikern zum Ausdruck zu bringen. 20 Jahre lang hatte ich erwartet, dass die Pädagogik und Didaktik, vor allem die Französischdidaktik meinen Ansatz aufgreift, diskutiert, rezipiert und, falls positiv bewertet, verbreitet. Dass LdL immer wieder in Fußnoten im Zusammenhang mit der Einführung des Wortschatzes durch Schüler erwähnt wird, ist zwar ganz nett, aber keine Rezeption. Das ist eher eine starke Verharmlosung des didaktischen Modells, das anthropologisch begründet ist und eine landeskundliche und vor allem eine literaturdidaktische Komponente enthält. Dass ich diesem Ärger Ausdruck verschaffe, ist kein Zeichen von Resignation, sondern von Emanzipation. Auch ohne Hilfe der Pädagogik und der Didaktik hat sich in der Praxis die Erkenntnis durchgesetzt, dass LdL, wenn man unter positiven Bedingungen arbeitet, eine wirklich tolle Sache ist! Das Kapitel „Verbreitung der LdL-Techniken“ ist für mich also abgeschlossen. Natürlich werden weiterhin LdL-Fortbildungen durchgeführt, es scheint auch dass eine junge Lehrergeneration sich dafür motivieren lässt... 

Was mich betrifft, so kommt eine Phase der Ausweitung des LdL-Ansatzes: das LdL-Prinzip, also die Tatsache, dass nicht der Lehrer den Stoff einführt, sondern die Schüler bewirkt einen Paradigmenwechsel im Klassenzimmer. Die fehlerbehaftete Darstellung des Stoffes durch Schüler zwingt zu einem permanenten Klärungsprozess, also zu einer permanenten Kommunikation zwischen den Teilnehmern im Unterricht. Schrittweise werden die Fehler beseitigt, man arbeitet sich aus der Unbestimmtheit zur Klarheit vorwärts. Dasselbe Prinzip greift auch, wenn man die Informationen nicht mehr aus dem Buch, sondern aus der Außenwelt bezieht. Diese Informationen – vorwiegend aus dem Internet – werden in den Unterricht eingegeben und in permanenter Klärung und Abwägung schrittweise zum sicheren Wissensbestand der Klasse verarbeitet. Der Schritt zum Aufbau einer „Internet- und Projektkompetenz“ ist dann nicht sehr weit. Denn auch hier geht es darum, dass Menschen zusammenfinden, sich ein Thema heraussuchen, Informationen holen und in gegenseitiger Interaktion zu Handlungswissen umformen. Mein Konzept habe ich in einem Ausschreibungsverfahren in der Virtuellen Hochschule Bayern eingereicht und bekomme nun die Möglichkeit, mit spürbarer finanzieller Unterstützung das Modul auszuarbeiten.

Seit einem Jahrzehnt spricht mir Margarete RUEP, inzwischen zur Präsidentin des Oberschulamtes Tübingen avanciert, Mut zu. Insbesondere hat sie als eine der ganz wenigen immer wieder die Nützlichkeit und Bedeutsamkeit meines anthropologischen Modells betont. Das hat mich motiviert, einen Aufsatz zu verfassen, in dem das anthropologische Modell deutlich als Säule des ganzen LdL-Konzeptes dargestellt wird.

Sie finden diesen Aufsatz (im PDF-Format) unter:

www.ldl.de/material/aufsatz/aufsatz2002-2.pdf

Mit den besten Grüßen von

Jean-Pol Martin


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