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16.Jg.Kontaktbrief Nr.101 Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Freunde, Im Anschluss an meinem jüngsten
Kontaktbrief (Nr.100) bekam ich von einigen von Ihnen trostspendende
Post. LdL sei doch viel bekannter als ich meine... Eigentlich ging es bei mir in
erster Linie darum, meinen Ärger gegenüber Pädagogen und Didaktikern zum
Ausdruck zu bringen. 20 Jahre lang hatte ich erwartet, dass die Pädagogik und
Didaktik, vor allem die Französischdidaktik meinen Ansatz aufgreift,
diskutiert, rezipiert und, falls positiv bewertet, verbreitet. Dass LdL immer
wieder in Fußnoten im Zusammenhang mit der Einführung des Wortschatzes durch
Schüler erwähnt wird, ist zwar ganz nett, aber keine Rezeption. Das ist
eher eine starke Verharmlosung des didaktischen Modells, das anthropologisch
begründet ist und eine landeskundliche und vor allem eine literaturdidaktische
Komponente enthält. Dass ich diesem Ärger Ausdruck verschaffe, ist kein
Zeichen von Resignation, sondern von Emanzipation. Auch ohne Hilfe der Pädagogik
und der Didaktik hat sich in der Praxis die Erkenntnis durchgesetzt, dass
LdL, wenn man unter positiven Bedingungen arbeitet, eine wirklich tolle Sache
ist! Das Kapitel „Verbreitung der LdL-Techniken“ ist für mich also abgeschlossen.
Natürlich werden weiterhin LdL-Fortbildungen durchgeführt, es scheint auch
dass eine junge Lehrergeneration sich dafür motivieren lässt...
Was mich betrifft, so kommt eine
Phase der Ausweitung des LdL-Ansatzes: das LdL-Prinzip, also die
Tatsache, dass nicht der Lehrer den Stoff einführt, sondern die Schüler
bewirkt einen Paradigmenwechsel im Klassenzimmer. Die fehlerbehaftete
Darstellung des Stoffes durch Schüler zwingt zu einem permanenten Klärungsprozess,
also zu einer permanenten Kommunikation zwischen den Teilnehmern im
Unterricht. Schrittweise werden die Fehler beseitigt, man arbeitet sich aus
der Unbestimmtheit zur Klarheit vorwärts. Dasselbe Prinzip greift auch,
wenn man die Informationen nicht mehr aus dem Buch, sondern aus der Außenwelt
bezieht. Diese Informationen – vorwiegend aus dem Internet – werden in den
Unterricht eingegeben und in permanenter Klärung und Abwägung schrittweise
zum sicheren Wissensbestand der Klasse verarbeitet. Der Schritt zum Aufbau
einer „Internet- und Projektkompetenz“ ist dann nicht sehr weit. Denn auch
hier geht es darum, dass Menschen zusammenfinden, sich ein Thema heraussuchen,
Informationen holen und in gegenseitiger Interaktion zu Handlungswissen
umformen. Mein Konzept habe ich in einem Ausschreibungsverfahren in der Virtuellen
Hochschule Bayern eingereicht und bekomme nun die Möglichkeit, mit spürbarer
finanzieller Unterstützung das Modul auszuarbeiten. Seit einem Jahrzehnt spricht mir
Margarete RUEP, inzwischen zur Präsidentin des Oberschulamtes Tübingen
avanciert, Mut zu. Insbesondere hat sie als eine der ganz wenigen immer wieder
die Nützlichkeit und Bedeutsamkeit meines anthropologischen Modells
betont. Das hat mich motiviert, einen Aufsatz zu verfassen, in dem das
anthropologische Modell deutlich als Säule des ganzen LdL-Konzeptes
dargestellt wird. Sie finden diesen Aufsatz (im
PDF-Format) unter: www.ldl.de/material/aufsatz/aufsatz2002-2.pdf Mit den besten Grüßen von Jean-Pol Martin
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