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Dr.Jean-Pol Martin 7.Jg.Kontaktbrief Nr.47, 26. März 1993 Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde, seit Juni 1987, dem Zeitpunkt, an dem ich zusammen mit einer kleinen Gruppe von Kolleginnen und Kollegen unser Kontaktsystem ins Leben gerufen habe, unterstützt die Universität Eichstätt unser Projekt mit beachtlichen Sachmitteln. Die Teilnehmer des Kontaktnetzes können regelmäßig mit Informationen bedacht werden pro Jahr mindestens 6 Lieferungen; auf Anfrage bekommt jeder umfangreiche Materialien zugeschickt; man kann sich Videokassetten mit Lehrfilmen für Fachsitzungen wünschen, etc. Für die Teilnehmer ist all dies kostenlos. Der Universität schlägt es mit ca. 10.000,--DM jährlich zu Buche. Ohne die Großzügigkeit von Professor GSELL, dem ich formal unterstellt bin, und der mir einen Großteil seines Etats überläßt, wäre LdL wohl heute immer noch unbekannt. Nun ist eingetreten, was ich befürchten mußte: die Geldmittel sind knapper geworden, so knapp, daß ich ab jetzt meine Projekte selbst finanzieren muß. Bereits letztes Jahr hatte ich einen Teil der Portokosten übernommen. Immer wieder hatte ich in der Vergangenheit den Rat bekommen, die Adressaten doch zur Kasse zu bitten. Ich meinte aber stets, daß es eine große Chance sei, wenn Kollegen meine Vorschläge aufgreifen und versuchen, diese in ihrem Unterricht umzusetzen. Geld dafür einzufordern, daß sie zur Verbreitung meiner Ideen beitragen, wäre mir skandalös erschienen. Außerdem fand ich es sehr reizvoll, in einer Welt, wo Raffgier dominiert und jeder bestrebt ist, alles und sich selbst zu "verkaufen", dank der Uni Eichstätt genau das Gegenteil tun zu können, nämlich alles zu verschenken! Ich glaube auch, daß die Großzügigkeit aller Beteiligten z.B. einer Kollegin aus Berlin, die keines der unzähligen Treffen in Bayern versäumt, obwohl sie ihre Reisen stets aus der eigenen Tasche bezahlen muß! den Charme unseres Projektes ausmacht. Wenn ich unsere Aktivitäten der letzten sechs Jahre bilanziere, dann stelle ich fest, daß wir zwar keine finanziellen Ressourcen angesammelt haben, dafür aber umso mehr menschliche. In dieser Zeit ist es uns gelungen, ein weitreichendes Potential gegenseitigen Vertrauens aufzubauen. Aus dem Kontaktsystem heraus können wir in vielen Situationen Kollegen mit Rat und Tat unterstützen. Wer sich an uns wendet bekommt rasche und effektive Antwort, sei es als Referendar, wenn er Hilfe für eine Seminararbeit wünscht, sei es als Fortbildner, wenn er einen Referenten sucht, sei es als Kollege, der mit LdL begonnen hat und konkrete Ratschläge braucht. Auf der Grundlage der Kontaktbriefe, der regelmäßigen Bundes- und Regionaltreffen und der Gesprächskreise bietet unser Kontaktsystem kontinuierliche Fortbildung an. Als solches stellt es eine einmalige, zukunftsweisende Fortbildungsstruktur dar. Gerade in einer Zeit, in der das Praktizieren reformpädagogischer Ansätze wesentlich erschwert wird, und in der die allgemeine Lage eher zur Desolidarisierung als zum gemeinsamen Handeln führt, ist es besonders wichtig, Gegenakzente zu setzen, wo es noch möglich ist. Auch wenn man mir entgegenhält, daß es für mich leicht ist, in einer Klasse mit 18 lieben Schülern LdL zu praktizieren, so soll doch plakativ aufgezeigt werden, wie unter guten Bedingungen gearbeitet werden kann. Nur so kann die Motivation aufrechterhalten werden, für gute Bedingungen zu kämpfen! Daß ich nun kein Geld mehr von der Universität bekomme, heißt noch lange nicht, daß ich aufgeben muß! Auch unter schlechteren Bedingungen kann ein solches Projekt weiterverfolgt werden! Und das führt mich zum eigentlichen Zweck dieses Briefes: Das Kontaktsystem verursacht Kosten, die auf jeden einzelnen umgerechnet mindestens 30,--DM pro Jahr ausmachen. Darin sind die Kopier- und Versandkosten (6 bis 7 Lieferungen) enthalten, aber auch die Bezahlung der studentischen Hilfskraft, die mir bei der Betreuung des Kontaktsystems zur Hand geht. Als "Dienstleistung" bekommen Sie über die Materialien hinaus die ständig abrufbare Unterstützung einer Gruppe von mehreren Hundert engagierten Lehrern und die Verfügung über eine kontinuierliche, in dieser Form noch nie dagewesene Fortbildungsstruktur, Es geht um mehr als um die Vermittlung einiger Unterrichtstechniken. Es geht darum, Arbeitsformen für Unterricht und Fortbildung, die uns im Hinblick auf eine erfolgreiche Bewältigung der Zukunft als wünschenswert erscheinen, bereits heute zu verwirklichen und als Modell anzubieten. Anbei werden Sie also einen Überweisungsauftrag finden. Die Höhe des Beitrages ist für Studenten und arbeitslose Kollegen 10,--DM, Kollegen aus den neuen Bundesländern und Referendare 20,--DM, West-Kollegen 30,--DM Die Beiträge sind als Ausgabe für Fachliteratur steuerlich absetzbar. In der Hoffnung, daß mein Schritt Sie nicht von uns entfernt, sondern Sie möglicherweise sogar an uns stärker bindet, verbleibe ich mit den herzlichsten Grüßen |