PD.Dr.Jean-Pol Martin
Universität, UA.Zi.240
85071 Eichstätt

10.Jg.Kontaktbrief Nr.66 , 20. Mai 1996

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde,

wie Sie wissen, war "Lernen durch Lehren" von Anfang an unter Referendaren ein beliebtes Thema für die Abfassung von Examensarbeiten. Die erste Arbeit einer Referendarin stammt von Katharina APPEL (Kiel) und wurde 1985 verfaßt. Besonders schön ist es, wenn diese Arbeiten zu einer Veröffentlichung führen: dies gilt für Christine SCHELHAAS (vgl.Briefe 64/65), aber auch für Claudia Feyerherm (Berlin) mit ihrem Aufsatz zum Einsatz von LdL im Fach Latein (Lektürephase). Dieser Beitrag wurde im Mitteilungsblatt des Altphilologenverbandes publiziert; die Kopie lege ich bei. (Im Internet ist diese Arbeit noch nicht vorhanden.)

Auch sehr schön ist, daß LdL nicht nur in einem Fach und einer Schulart - beispielsweise Französisch am Gymnasium - Anklang findet, sondern eine breite Palette unterrichtlicher Aktivitäten erfaßt: unser Kollege Winfried GEIGER setzt als Fachlehrer LdL konsequent ein; er hat diese Methode in zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen bekannt gemacht und ebenfalls einen Aufsatz veröffentlicht (Maschinenschreiben), den ich als Kopie weitergebe. (Geiger1.tif; geiger2.tif)

Da Sie gerne konkrete und überschaubare Tips bekommen, finden Sie ferner von Ulli HERTEL-SCHÖNBERG einige Hinweise zur schülergeleiteten Vokabelabfrage im Französischunterricht der Realschule (8. und 9.Jahrgangsstufe). (Hertel.doc)

Auch ich liefere einen kleinen Beitrag: es handelt sich um eine Art Klassenlexikon über die Begriffe, die im Laufe unserer zwei Leistungskursjahre eine wichtige Rolle gespielt haben (z.B. "Mittelalter", "Rationalismus", "Surrealismus", "Internet", "Exploratives Verhalten", "Multimedia" usw.). Diese Idee läßt sich in allen Fächern anwenden (selbst in Mathematik!?). Da die Definitionen auf französisch verfaßt sind, wäre es nett, wenn die Nichtfranzosen das opus interessierten Kollegen weitergeben würden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch darauf hinweisen, daß meine Schüler gerade das Abitur ablegen und im Anschluß frei sein werden. Nun sind sie so weit, daß sie selbständig "Fortbildungen" über LdL durchführen können und dies auch gerne tun. Hier wäre also die einmalige Gelegenheit gegeben, Schüler, die fünf Jahre lang nach LdL unterrichtet wurden, zu Vorträgen - beispielsweise anläßlich von Fachsitzungen - einzuladen. Besonders attraktiv ist, daß sie Unterrichtssequenzen erstellt haben und diese im Rahmen von Unterrichtsdemonstationen vor Ort, also an Ihrer Schule einsetzen können. Dies betrifft die Fächer Englisch und Französisch. Wenn Sie dieses Angebot nutzen wollen, setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung, ich leite Ihre Anfrage gerne weiter.

Zum Schluß möchte ich auf eine Entwicklung hinweisen, die mir positiv für das Projekt erscheint: auch wenn Margarete RUEP als Schulleiterin unser Projekt in Baden-Württemberg rasant vorangetrieben hat, so stellt sie doch eine Ausnahme unter den Entscheidungsträgern dar. Bisher blieb unsere Arbeit ohne Unterstützung von "oben". Nun aber scheint es, daß immer mehr Schulleiter, ja sogar einige Ministerialbeauftragte (eine wichtige Position in Bayern) ebenfalls Gefallen an unseren Gedanken finden. Um dies zu belegen, habe ich einen Zeitungsbericht kopiert, der nach unserem Auftritt (Wilfried CHRISTEL, Rüdiger FISCHER und ich) in Cham erschienen ist.

Für heute verbleibe ich mit den besten Grüßen