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11.Jg.Kontaktbrief Nr.74
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich nütze die Tatsache, dass ich diesmal nur das Programm des Bundestreffens verschicke und noch etwas Platz im Kuvert habe, um über die Zukunft des Kontaktnetzes und der in ihm betriebenen Forschung nachzudenken. Für mich waren die letzten 18 Jahre durch drei Innovationsschübe geprägt: zunächst durch die Entwicklung der Methode "Lernen durch Lehren", dann durch den Aufbau des Kontaktnetzes als Fortbildungs- und Forschungsstruktur und schließlich durch die Verbesserung der Kommunikation innerhalb des Netzes, z.B. über die Einrichtung einer Homepage im Internet. Natürlich suchte ich von Anfang die Unterstützung von Institutionen. So bemühte ich mich, über meine Promotion und meine Habilitation zu einer Professur zu gelangen, die mir mehr Ressourcen für die Forschung verschafft hätte. Gleichzeitig versuchte ich, das Interesse der Ministerien zu wecken. Nun ist es ein Merkmal von Innovationen, dass sie schwer einzuordnen sind und sich zunächst in einer Art wissenschaftlichem Nomansland bewegen, bevor sie von der traditionellen Wissenschaft aufgegriffen und integriert werden. Für meine Art von Forschung gibt es noch keine wirklich etablierte Kategorie im wissenschaftlichen Betrieb. Daher ist mein Scheitern auf der institutionellen Ebene durchaus in der Logik des Systems. Glücklicherweise konnte das Projekt dank Ihrer Beiträge weiterverfolgt werden. Einen Schwerpunkt meiner gegenwärtigen Forschungsaktivitäten sehe ich nach wie vor in der Optimierung der Methode LdL aus der Praxis heraus. In diesem Jahr habe ich eine 11. Klasse bekommen, die mir einen sehr aufgeschlossenen Eindruck macht und von der ich mir vieles verspreche. Den anderen Schwerpunkt sehe ich in der Frage, wie das enorme Wissenspotential, das sich im Kontaktnetz seit fünfzehn Jahren angesammelt hat, für die Teilnehmer leichter zugänglich gemacht werden kann. Wie kann das Kontaktnetz als Expertensystem gestaltet werden, damit jeder Kollege möglichst rasch Problemlösungen bekommt, wenn er Hilfe braucht? Im Aufbau eines solchen Expertensystems liegt die wissenschaftliche Zukunft unseres Projektes. Allerdings kann dieses Ziel nur mit Hilfe eines hochqualifizierten Experten erreicht werden. Daher bemühe ich mich, nachdem ich meine Hoffnungen auf Unterstützung von seiten der Wissenschaft oder der Ministerien begraben muss, um einen Unternehmer als privaten Sponsoren, der bereit wäre, den Aufbau eines Expertensystems zur Lehrerfortbildung- und Lehrerforschung zu finanzieren. Sicherlich könnten die Erfahrungen, die wir im Kontaktnetz gewinnen, auch für einen Unternehmer von Interesse sein, geht es doch um Optimierung von Kommunikation und um Ausschöpfung von Humanressourcen. An dieser Stelle sind Sie als Mitglied des Kontaktnetzes natürlich nicht gefordert - es sei denn Sie hätten selbst Kontakt zu Ministerien oder zu Unternehmer! Es geht bei mir nur darum, Sie über den Stand unserer Reflexion zu informieren. Für diejenigen, die näheres darüber erfahren wollen, lege ich einen Artikel bei, den ich für die Festschrift zum 60. Geburtstag von Hans Hunfeld verfasst habe, und der 1998 erscheinen wird. Ansonsten finden Sie das endgültige Programm unseres 10. Bundestreffens und einen Meldebogen für den Fall, dass Sie kommen wollen und sich noch nicht angemeldet hätten.
Mit den besten Grüßen und vielleicht bis bald, Ihr Jean-Pol Martin
PS. Auch wenn Sie uns Ihre eMail-Adresse angegeben haben, bekommen Sie trotzdem noch zusätzlich einen Papier-Brief, solange nicht absolut sicher ist, dass alle Adressaten unserer eMails diese tatsächlich entpacken und lesen können. |