Prof.Dr.Jean-Pol Martin
Didaktik der französischen Sprache und Literatur
Universität, UA.Zi.240
85071 Eichstätt

Eichstätt, den 08. Oktober 2000
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14.Jg.Kontaktbrief Nr. 92

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Freunde,

ich erzähle Ihnen einfach was mich gerade beschäftigt:

1. Wissensgesellschaft: Informationen zu Wissen veredeln

Heute besteht die Wertschöpfung eines Unternehmens nicht mehr hauptsächlich aus dem Verkauf konkreter Produkte, sondern aus dem Wissen, das im Unternehmen aufgebaut wird, um Produkte herzustellen,  zu vermarkten und am Markt zu halten. Die zentrale Tätigkeit in der Wissensgesellschaft besteht darin, Informationen (kontextualisierte Daten) durch Denken (Gewichten, Bewerten, Einordnen) und Handeln zu Wissen umzuformen.

2. Schüler zu Wissensproduzenten machen

  •  Künftig wird der Unterricht vor allem dazu dienen, Informationen zu Wissen zu veredeln!

Bisher bestand die Hauptaufgabe des Lehrers darin, den Schülern  fachbezogene Informationen auf der Grundlage des Lehrwerkes zu vermitteln. Zwar gab es eine Übungsphase, in der durch Anwendung Information zu Wissen umgeformt wurde, aber diese Phase nahm selten einen großen Raum ein. Durch die Verbreitung des Internets können die Schüler nun selbst die Informationen direkt und ohne Hilfe des Lehrers beziehen. Ein wesentlicher Teil der Unterrichtszeit kann nun für die Umformung von Informationen zu Wissen verwendet werden. Da in der LdL-Methode gerade dieser Prozess immer schon im Zentrum stand, sind LdL-Lehrer besonders gut auf den methodischen Paradigmenwechsel vorbereitet.

  • Die Schüler konsumieren nicht mehr die vom Lehrer linear dargebotenen  Information, sondern sie holen aktiv nicht-lineare Informationen, die erst im Unterricht zu einem linearen, logischen Ganzen organisiert werden.

OK. Das klingt ein bisschen kompliziert! Also: Bisher war jeder Lehrer darum bemüht, den Stoff linear, d.h. klar strukturiert und logisch geordnet zu vermitteln. Die Aufgabe des Schülers lag darin, diese klar strukturierten, linear präsentierten Informationen aufzunehmen. Heute hat der Lehrer durch die Verbreitung des Internets kaum noch die Kontrolle über den Informationsinput! Die Schüler holen sich ja die Informationen ungeordnet aus dem Netz.. Dadurch verändert sich die Arbeit im Unterricht radikal. Der Lehrer muss dafür sorgen, dass die von den Schülern eingebrachten, ungeordneten Informationen im Nachhinein im Unterricht wieder zu einem linearen Ganzen zusammengefügt werden. Den LdL-Lehrern ist dieses Verfahren sowieso vertraut.

3. Das LdL-Diskussionsforum in der ZUM

Meine zeitintensivste Beschäftigung ist gegenwärtig die Moderation des LdL-Diskussionsforum (www.zum.de). An den Diskussionen beteiligen sich Leute aller Altersklassen, Bildungsniveaus und geographischer Herkunft. Durch Querverbindungen zwischen den unterschiedlichen Diskussionen und den diversen Foren entsteht ein neuronales Netz, an dem sorgfältig und kontinuierlich gewirkt werden muss. Die Gesamtheit der Interaktionen bringt als Emergenz eine Art Makrodenken hervor.

Als Anlage finden Sie:

  • Statements ehemaliger LdL-Schüler über die Vorteile, die LdL für ihren Berufseinstieg gebracht hat („LdL-Vorteile im Beruf?“);

  • Die „Discussion 9a – en francais“, bei der deutlich wird, wie Schüler, die gerade mit Französisch begonnen haben, ihr Wissen in Auseinandersetzung mit nicht-linear dargebotenem Französisch aufbauen. Sie diskutieren mit Leuten aller Altersstufen und Sprachniveaus und müssen sich in einer ungeordneten Sprachwelt zurechtfinden.

  • Das Angebot der Schülerfirma von Rudolf Brandenstein, die Unterrichtsmaterialien erstellt und verkauft.

Sie finden auch:

    

Es grüßt Sie herzlich

Ihr  
Jean-Pol Martin


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